Nachspiel

Exklusiv in der Online-AusgabeAutor: Wittmann, Georg

Carlos ist mit den Papieren seines Bruders Juan auf der Flucht in die selbst gewählte Verbannung. Auf dem Pariser Flughafen Orly der von den außereuropäischen Maschinen angeflogen wird checkt er ein. Das von seinem Bruder ausgewählte Flugzeug wird ihn in die Heimat bringen. Er macht es sich in seinem Sitz bequem und wartet auf den nächsten Flughafenshuttle mit den restlichen Passagieren.

Er denkt: "Sie haben Juan in Karlsruhe gefunden! Drogenbarone haben ihre Spitzel überall! Besonders in unserem Land!" Carlos nimmt Handgepäck und Jacke aus dem offenen Gepäckfach und drängt sich durch die letzten Passagiere die ihren Platz suchen aus dem Flugzeug. Er eilt die Rampe hinunter und springt in den Shuttle.

Im Queen Hotel rätseln die drei Verschwörer um den Verbleib von Carlos. "Den haben wir los! Hauptsache du hast seine Konten und Kreditkarten!", lacht Carmen und wirft einen triumphierenden Blick auf ihren Bruder. Pedro blickt ernst und warnend mit bezeichnendem Nicken zu Juan. Der hat nun den Platz von Carlos eingenommen und ist eifrig am Telefonieren um den Vermissten aufzuspüren. "Carlos hat in Orly eingecheckt ist aber nicht auf unserem Heimatflughafen angekommen!" zuckt Juan die Schultern.

Die Entscheidung des Vermissten in Paris unterzutauchen war richtig. In der Rue de Provence hinter dem Kaufhaus Lafayette findet er ein kleines Hotel. Er ist hier mitten im Zentrum und braucht nicht die überfüllte Metro benutzen. Täglich Frühstückt er in den Cafes auf der Champs - Elysee. In diesem Trubel fühlt er sich sicher. Er sucht vergeblich in den deutschen Zeitungen nach einem Hinweis auf den toten Verfolger. "Nichts, nicht der kleinste Hinweis auf einen Toten oder dass sie mich suchen! Aber ich werde Juan nicht anrufen! Ich kann meinen Bruder nicht in Gefahr bringen!", murmelt er enttäuscht und doch auch erleichtert.

Der Erfolg seines Zwillingsbruders der für ihn den Vertrag beim KSC mit Bravour erfüllt, macht ihn stolz und dankbar. Die Tatsache, seine Vertragspartner nicht geschädigt zu haben, beruhigt ihn. Wenn da nur nicht die Geschichte mit dem Auftragskiller wäre den er beim Abwehren die Treppe hinunter gestoßen hat. "Notwehr..... ich habe sogar einen Zeugen. Aber wenn ich mich stelle, liefere ich mich dem Satansweib vom Drogen - Carte nd dem nächsten Killer aus!"

Geldsorgen hat der Flüchtling keine. Seinem Bruder gab er in weißer Voraussicht nicht alle Bankverbindungen preis. Im Reisepass lässt der Flüchtige im Quartier Latin von einem Experten eine kleine Änderung vornehmen. Er tritt aus dem dunklen Hauseingang des Fälschers in die sonnenüberflutete belebte Rue nahe des Phantheons und lacht erleichtert. "Juan Carlos nun kann ich wieder an alle Konten. Entweder trete ich als der unbekannten Juan auf oder als der weltberühmte Fußballstar Carlos!"
Sein Selbstvertrauen ist nun wieder hergestellt. Auch das verletzte Knie bereitet nicht mehr ständige Schmerzen. Eines Tages lässt er sich in der Orthopädie einer in Sportlerkreisen bekannten Praxis als Privatpatient durchchecken. Natürlich inkognito unter dem falschen Vornamen Juan. Als die Röntgenbilder von dem Knie vorliegen und er die Risse in der Kapsel sieht, wendet er sich ab um seine Emotion vor Yvonne der hübschen jungen Ärztin zu verbergen.
Die ist erschrocken über den Gefühlsausbruch und versichert: "Sie haben das schlimmste überstanden und sind schon auf dem Weg der Besserung!" Erst kann er nicht glauben was er hörte. Dann umarmt er sie vor Freude. "Es braucht natürlich noch seine Zeit, aber es ist auf keinen Fall hoffnungslos!", dämpft sie den überschäumenden, südländischen Gefühlsausbruch. Sie löst sich sachte aus den Armen: "Wir werden sie völlig herstellen!", verspricht sie zuversichtlich.

Die folgenden Eingriffe werden von ihr selbst vorgenommen und sie überwacht die anschließende Therapie. Sie hat keine Ahnung wen sie behandelt. Es wird nicht über Sport gesprochen, wenn Yvonne als Guide dem geduldigen Patienten die abendliche Metropole vorführt. Eines Tages auf der obersten Eifelturmplattform beim Betrachten des Lichtermeeres blickt er heimlich seine Fremdenführerin an. "Dort... drüben..... Sacre - Coeur.... Monsieur Juan!"

"Die oder keine!", denkt er. Ein Gefühl von Glück, Wärme und Geborgenheit durchströmt ihn. So etwas hat er noch nie bei seinen zahlreichen Affären verspürt. Yvonne dreht sich um und sieht ihren
Begleiter erstaunt an. "Monsieur Juan . sie hören überhaupt nicht zu! Monsieur "Was sie noch protestieren möchte,
erfährt der Verliebte nie. Er nimmt sie zärtlich in die Arme und verschließt ihren Mund mit einem Kuss der nach ihrem anfänglichen Sträuben nicht enden will.

Nun ist der Flüchtige im siebten Himmel und in der tiefsten Hölle. Er meint es ernst mit Yvonne und ist dadurch in einem Dilemma. So lange er nur für sich verantwortlich gewesen ist, konnte er frei über sich entscheiden. Er kann seine große Liebe nicht belügen, aber er getraut sich auch nicht ihr klaren Wein einzuschenken. Seine Genesung wird immer offensichtlicher. An Yvonns dienstfreiem Tag bummeln sie durch den Jardin du Luxembourg. Dort sieht er interessiert einigen Halbwüchsigen beim Fußballspiel zu.

Als der Ball bis vor seine Beine rollt, kann er nicht widerstehen. Er will nur den Ball den wartenden Jungs zuspielen. Doch plötzlich ist er in einem Fußballspiel alle gegen ihn. Yvonne sieht sprachlos und besorgt zu. Ein Zauberer mit dem Ball. Plötzlich ruft einer der Jungs etwas und die Rangelei um den Ball hat ein Ende. Alle drängen sich um den Ballartisten und bestürmen ihn mit Fragen. Der spricht eifrig und beschwörend auf die Jungs ein und blickt dabei besorgt zu seiner Begleiterin. Endlich kann er sich aus der Gruppe lösen.

"Juan dein Knie!", mahnt sie erschrocken. Der unvorsichtige Begleiter strahlt und lacht den Fußballspielern zu die aus ihrer Erstarrung erwachen, winken und Carlos rufen. "Ich fühle mich wohl! Du brauchst keine Angst zu haben! Das Knie lässt sich wieder ohne Schmerzen beugen!", strahlt er und drückt sie zärtlich an sich. "Juan... mon tresor... warum rufen sie Carlos?" Er sieht zurück und winkt noch einmal. "Nur eine Verwechslung mein Schatz!"

Von diesem Tage an geht es mit der Genesung von dem ehemaligen Star rapid aufwärts. Gerne möchte er wieder auf dem Feld stehen und noch ein einziges mal seiner Elf zum Sieg verhelfen. "Einen würdigen Abschluss meiner Karriere wünsche ich mir von Herzen. Aber mein Endspiel wird nun von meinem Bruder bestritten!"

Yvonne besucht über das Wochenende ihre Familie. Die lebt in St. Emilion ein Weinstädtchen nahe Bordeaux. Etwas enttäuscht, weil sie darauf bestand allein zu fahren, schlendert er am Sonntagabend gelangweilt über den Boulevard Haussetann. Unentschlossen und gelangweilt studiert er die Tageszeitungen. "Ich werde mir die Zeit mit Lesen vertreiben, bis ich sie am Gare abhole!" Da stockt sein Atem. Er ist mit einer Frau im Arm auf einer Titelseite abgebildet.
"Diese Paparazzi! Nun haben sie mich doch gefunden!", murrt er und holt sich das Klatschblättchen L'Canard aus dem obersten Fach. "Das ist gar nicht Yvonne!" Das ist mein Bruder mit diesem Teufelsweib!" Er wird blass als er die Überschrift liest. Nur ein Zuruf des Kioskbesitzers erinnert ihn zu bezahlen. Er überfliegt hastig die Klatschkolumne im Innern. " Ich muss sofort zu Juan! Retten was zu retten ist! Hoffentlich bin ich nicht zu spät!"
Er eilt zu seinem Hotel und packt fieberhaft die Reisetasche. Dann versucht er vergeblich Yvonne auf dem Handy zu erreichen. Nervös spricht er eine kurze Nachricht auf den Anrufbeantworter der Praxis. Dann eilt er zum nächsten Metroeingang. Er will zum Ostbahnhof um den nächsten Zug nach Allemagne zu nehmen.

Yvonne ist überrascht als sie am Gare Montparnasse von dem Geliebten nicht erwartet wird. Sie hat Juan viel zu berichten. Den Familienclan hat sie auf ihre große Liebe vorbereitete. Besonders den misstrauischen großen Bruder, der das traditionsreiche uralte Weingut verwaltet, galt es zu überzeugen. "Diesmal ist es wirklich der Richtige!" Diese Worte klingen ihr in den Ohren und sie erfüllen sie mit Freude und Stolz. Sie nimmt nach ergebnislosem Warten auf Juan die Metro in die Innenstadt wo sie eine der teuersten Pariser Wohnungen mit Blick auf die Seine bewohnt. Ein totaler Verlustposten in der Bilanz ihres fürsorglichen Bruders.

"Juan hat es sich doch anders überlegt! Ich wollte nicht, dass er sich zu so später Stunde aufmacht um mich abzuholen. Ich lasse dich bei Dunkelheit nicht allein mit der Metro fahren! Mein übervorsichtiger Juan!", lachte sie unbesorgt und schüttelt ihren blonden Schopf.

"Nun hat er es sich doch anders überlegt!" Zu Hause angekommen, ruft sie ihren Bruder wie verlangt zurück. "Ich bin sicher in meiner Wohnung angekommen!" Juan will sie so spät nicht mehr stören.

Yvonne geht schon früh in die Praxis um Arbeiten vom Freitag fertig zu stellen. Der Anrufbeantworter blinkt. "Ein Patient der einen Termin am Wochenanfang wünscht!" "Juan... hallo Cheri! Bin auf dem Weg zum Gare de L &t! Ich muss verreisen wegen einer höchst brisanten Angelegenheit. Kann es hier nicht erklären. Vertraue mir, auch wenn der Schein im L' Canard, gegen mich spricht. A bientot!"
Yvonne spult mehrmals den kurzen Bericht zurück. Sie ist völlig ahnungslos was diese Nachricht bedeutet. Sollte es sich wie bei ihrer ersten Liebe wiederholen? Sich absetzen bevor die Bindung zu eng wird. Vielleicht eine Ehefrau und Kinder wie damals der Chefarzt vom Hospital. Und was soll der Enterich! "L'Canard.... das Blatt der Prominenten!", kommt ihr plötzlich die Erleuchtung. Schnell zieht sie ihre Weste an und eilt aus der Praxis.

Schon bald sitzt sie im Zug mit dem selben Ziel wie Juan oder soll sie sagen Carlos. Sie ist in ihrem Abteil allein. Das ist gut, so kann sie ihren verletzten Gefühlen freien Lauf lassen. Immer wieder sieht sie das Titelbild an. "Endlich unter der Haube? Begehrter Junggeselle gab heimlich schon vor einigen Wochen Heiratsversprechen !", liest sie mit geröteten Augen.
Eine groß aufgemachte Kolumne zeigt die Jetset Diva Carmen. Sie gibt beim Betreten ihres Hotels ein Exklusiv - Interview dem Reporter des Karlsruher Wochenblattes Boulevard - Baden. Die rassige südländische Schönheit bewohnt die Fürstensuite des Queen Hotels mit ihrem Verlobten. Der berühmte Stürmer, Torschütze und Spielmacher Carlos befindet sich zur Zeit auf einer Auslandsreise, kommt aber zu einem anstehenden Trainingsspiel demnächst zurück.

Im ersten Schock wollte Yvonne sich geschlagen geben. Aber ihr Clan hat sich über Jahrhunderte gegen Unbilden der Natur und den Herausforderungen durch Menschen erfolgreich behauptet. Sie sind Kämpfernaturen. Sie wird Juan, ihre große Liebe nicht aufgeben. Sie fährt mit dem rasanten TGV ihrem Geliebten hinterher. "Diesmal ist es der Richtige! Wie soll ich meinem Bruder unter die Augen treten? Ich kenne seinen Jähzorn! Gnade dir Juan oder soll ich dich
nun Carlos nennen, wenn du falsches Spiel mit mir treibst!"

Die Angst ihrem Bruder als Betrogene nochmals unter die Augen zu treten ist nicht unbegründet. Der ganze Ort ist ein Zeugnis seiner ruhmreichen Bewohner. Ihre Burg mit den alten Stadtmauern und Katakomben, ihre in den Fels gehauene Kirche und die Ruinen ihres Dominikanerklosters, das prägt seit jeher die stolzen sturen Köpfe der Einheimischen. Der Ort ist vergleichbar mit Bretten an Peter und Paul, mit dem Unterschied St- Emilion ist real.
Die Einstellung der Weinbauern besonders zur Familienehre ist unverändert geblieben und findet man nur noch an Italiens Stiefelspitze und auf Sizilien. Die fröhlichen Touristen in der friedlich in der Sonne brütenden Idylle sind nur oberflächliche Kulisse. Darüber sollte sich niemand hinwegtäuschen.

Yvonnes Familie versammelt sich einem Ritual gleich wie jeden Morgen am traditionsreichen mehrere Meter langen Eichentisch. Alle Läden sind wegen der zu erwartenden Hitze geschlossen. Der Esssaal wird nur spärlich beleuchtet. Auf der altersdunklen Platte wird das reichhaltige Frühstück von den Mägden serviert. Alle warten geduldig auf petit Rene den Sohn des Clanführers.
Rene stellt seine Schulbücher neben seinen Stuhl und legt was er noch in der Hand hält neben seine riesige Tasse. Das ist der Moment an dem sein Vater das Gebet spricht, erst dann fangen alle zu essen an. Rene tunkt sein Croissant in die Tasse und schlürft die köstliche Milch genüsslich aus dem aufgeweichten Hörnchen. Dann greift er mit seiner feuchten klebrigen Hand nach dem Bild neben der Tasse.

Papa ... das ist Carlos. Er zeigt seine Eroberung die er auf dem Nachttisch von der Tante gefunden hat hoch, damit alle es sehen. Sein Vater blickt kurz auf. "Rene, du kommst zu spät zur Schule! Das ist Juan! Tante Yvonnes Verlobter! Leg das Bild zur Seite! Und bring es bevor du gehst wieder dorthin wo du es gefunden hast!"

Petit Rene kann kaum abwarten bis er den Tisch verlassen darf. Er rutscht von seinem Stuhl, eilt zu jedem der Familie und gibt ihnen Küsschen links, rechts, links zuletzt am entfernten Tischende seinem Vater. Dann verschwindet er nach oben. Aber anstatt das Bild zurück zu legen, holt er sein Fußballdress aus der alten Kommode.

Am Nachmittag kommt er nach Hause und läuft zufällig seinem Vater über den Weg. Rene wollte sich noch schnell verstecken aber da steht dieser schon breitbeinig auf dem Hof und winkt ihn herbei. "Fußball gespielt?", fragt er etwas irritiert als er das zerrissene schmutzige Trikot betrachtet. Petit Rene kommt mit hängendem Kopf herbei. "Was hast du hinter deinem Rücken versteckt?"
Renes Hand kommt mit einem verknitterten Papierfetzen zum Vorschein. Die riesige Faust seines Vaters, die in seinem Leben nicht nur Eichenfässer gestemmt hat, sondern Millionen Mal eingelagerte Flaschen rüttelte, öffnet sich. Gehorsam wird das gewünschte in die offene Pranke gelegt. "Juan... ist kaum noch zu erkennen, da wird sich Tante Yvonne aber freuen!" murrt der Vater ungehalten.

Aber Rene weiß sofort Rat. "In der Zeitung ist ein Bild das könnten wir ausschneiden!" Jetzt lacht der Vater und streichelt den blonden zerzausten Kopf seines Sprösslings. "Wieso sollte ein Bild von Yvonne's Verlobten in der Zeitung erscheinen?" lacht er. Da reckt der kleine Kerl sein Kinn entschlossen vor. "Das haben die Anderen auch gesagt und jetzt ist mein schönes Fußballtrikot kaputt!"
"Aber sie hatten recht, im L" Canard ist er abgebildet! Nur nicht mit Tante Yvonne! Sie haben mich ausgelacht und Angeber genannt! Papa.... was ist eine Mäh... Mäh... Mätresse?" Der lässt Rene stehen, packt sein dreckiges Motorrad, aber nicht um seine Weinberge zu inspizieren. Er rast zum Zeitungskiosk und fährt rücksichtslos mitten unter die erschrockenen Touristen mit der qualmenden Geländemaschine und blickt ungläubig auf das Titelbild. Er greift sich eine Ausgabe und überfliegt den Bericht. "Frauenheld..... das bricht dir das Genick!", zischt er wütend.

Zu Hause wirft er in kalter Wut das Blatt auf den Tisch. Während seine verängstigte Frau die Kolumne liest, steht er finster vor dem Gewehrschrank. Er mustert die Vogelflinte, die Doppelläufige und den Drilling? Dann sieht er auf seine gewaltigen Fäuste und spricht ohne seine Frau anzusehen: "Kein Wort zu Yvonne! Buche mir den nächsten Flug nach Straßburg. Ich ziehe mich um, dann fährst du mich hinüber!" Seine Frau weiß Besseres als zu diskutieren. Sie hört ihn noch "Mätresse" drohend knurren, dann wählt sie die Auskunft.

Carlos ahnt nicht was seine überstürzte Abreise für Folgen nach sich zieht. Während die Mitreisenden ihre nächtliche Reise genießen, sitzt er grübelnd in seinem Abteil. Er muss seinem Bruder aus der Patsche helfen. Genauso selbstlos wie dieser für ihn eingesprungen ist. Seine Überredungskunst und die saftige Prämie für Juan hat Carlos schon vergessen, aber nicht die Bilder von dem falschen Weib, die er Juan in der fraglichen Nacht auf dem Computermonitor zeigen wollte.
Er grübelt und erschöpft sich in allen Möglichen und Unmöglichen Erklärungen warum Juan sich mit dem Weib eingelassen hat. "Die Festplatte mit den Beweisen wurde bei dem Überfall beschädigt!", bleibt als letztes noch übrig. Er wagt sich in die Höhle des Löwen. Wie soll er sich tarnen. Einen Bart wachsen lassen? Dazu ist es zu spät. Die Zeit in der er durch das nächtliche Frankreich fährt vergeht zu schnell für eine Antwort auf seine Fragen.
Auf dem Karlsruher Bahnhofsplatz sieht er hinüber zu dem Eingang des Stadtgartens. "Sollte ich ihn durchqueren? Es ist der kürzeste Weg ins Hotel Dorint - Novotel! Oder soll ich am Stadtgarten entlang in das Hotel Eden? Die ehemalige Absteige Juans im Dürfte werde ich auf keinen Fall benutzen. Das Queen Hotel kommt auch nicht in Frage!" sein Gesicht überzieht ein flüchtiges Grinsen. "Das kann ich dem Pförtner nicht antun! Den haben wir schon genug irritiert!"

Er wird von einem eiligen Menschenstrom unfreiwillig mitgerissen. "Warum nicht!", denkt er und steigt umringt von den drängenden Straßenbahnbenutzern kurz entschlossen ein. Er blickt gleichmütig und abgespannt auf die vorbei gleitenden Geschäfte. "Storch und Beller Orthopädie! Das brauche ich Gottlob nicht mehr!" Plötzlich ist er hellwach. Er drängt sich zur Tür und springt bei der nächsten Haltestelle auf die Straße.

Sein Täuschungsmanöver als behinderter Bruder des Fußballstars beginnt. Er strauchelt. Nur hilfsbereite Hände bewahren ihn vor einem fatalen Sturz. Er richtet sich dankbar auf und humpelt die Straße zurück. Er sieht sich bei dem orthopädischen Laden die Schaufensterdekoration an. "Menschliche Extremitäten, elastische Verbände, Prothesen !", murmelt er mit einem Grinsen dann tritt er hinkend ein.

Die Türe wird ihm hilfsbereit aufgehalten. Er geht jetzt am Stock. Genauer gesagt am Krückstock. Die Verkäuferin hat ihm die Handhabung und richtige Einstellung erklärt. Er fühlt sich endlich locker und innerlich erheitert. Bei Fielmann's sucht er die Auslagen nach einer Sonnenbrille ab. Endlich hat er gefunden was er braucht. Er fragt die Verkäuferin ob sie auch eine Brille mit null Dioptrien zu verkaufen hat. "Als Schutzbrille bei meiner Arbeit!", erklärt er ihr.

Sein kleines Reisegepäck in der einen, den Krückstock in der anderen Hand steht Carlos auf dem Festplatz. Zwischen den von Blumen umsäumten Springbrunnen sieht er sich die Beton- und Glasfassade des Novotel Hotels an. Er greift zu seiner gerutschten schweren Hornbrille und rückt sie zurecht. Dann wendet er sich ab und geht entschlossen weiter in Richtung zum Queen Hotel.

An der Rezeption des Queen Hotels betrachtet ihn erschrocken der Pförtner. "Carlos sie! Und sogar verletzt!" Der Besucher lächelt sichtlich geschmeichelt. " Juan ! Juan.... nur der unbedarfte Bruder!" Er stützt sich auf das gesunde Bein und hebt erklärend den Krückstock! "Wie ich meinen Zwillingsbruder beneide! Jeder kennt und verehrt ihn! Ist er in seiner Suite?" "Er hat ein Flutlichtspiel in der Sportschule am Turmberg!" Der Pförtner legt den Finger auf die Lippen und lehnt sich konspirativ über die Platte. "Carmen belegt mit ihm die große, Pedro die kleine Suite!" Der neue Gast flüstert: "Eine nahe Suite! Kein Wort von meiner Ankunft! Überraschung!"

Einige Minuten später ist er auf seinem Zimmer gegenüber den von seinem Bruder belegten zwei Suiten. Sofort wirft er Reisetasche und Krücke auf das Bett und schmunzelt über den Pförtner, dem er das Versprechen abgenommen hat über seine Ankunft nichts verlauten
zu lassen. Er verzieht die Brauen: "Das raffinierte Weib hat zu dem bevorstehenden Ereignis schon ihre Verwandtschaft eingeladen!"

Während Carlos den Tag in seiner Suite verschläft, erscheint an der Rezeption eine attraktive Blonde. Yvonne ist mittlerweile völlig klar Juan ist nicht Juan. Haben sie ihn nicht im Jardin du Luxemburg Carlos gerufen. Ihre Liebe findet alle Entschuldigungen für seine Lügen. "Vertraue mir, auch wenn der Schein gegen mich spricht!" Sie wird ihm verzeihen, wenn er eine vergangene Affäre verschwieg!

Als Yvonne dem Pförtner die Zeitung mit dem Titelbild unter die Nase hält, wird der verlegen. Er versteht kein Französisch ahnt aber intuitiv um was es geht. "Drama! Katastrophe! Was soll ich tun?", verwirrt zögert er die Zimmernummer des Stars preiszugeben.
Carmen wartet verführerisch im Neglige auf den Verlobten. Pedro ist unterwegs zur Sportschule um ihn abzuholen. "Das Trainingsspiel mit der Nationalelf auf Schöneck müsste längst vorüber sein. Immer dieses Nachspiel!", ärgert sie sich. Da trommelt es an die Tür. Sie möchte in diesem leichten Aufzug nicht öffnen und hält sich zurück. Yvonne durchschaut sofort das zögern des Pförtners. Die Worte Drama und Katastrophe lassen sie ihre guten Vorsätze vergessen. "Hat ihn der Pförtner gewarnt?" Sie klopft und ruft: "ouvre moi!"
Endlich öffnet Carmen und wird sofort mit einem französischen Wortschwall überfallen. Yvonne schiebt energisch die Rivalin zur Seite und sucht erfolglos den Geliebten. Carmen erkennt sofort die Gefahr für ihre hochfliegenden Pläne. " Nicht hier! Erst morgen... tomorrow!", macht sie der Besucherin klar und bietet scheinheilig die zweite Suite für die Nacht an. Yvonne gibt nach und nimmt das Angebot zum Übernachten an. Als Carmen wieder allein ist, flüstert sie ins Handy: "Pedro, du musst noch in der Nacht ein französisches Flittchen entsorgen, bevor sie unsere Pläne durchkreuzt!"

Yvonne richtet sich für die Nacht in der von einem Mann belegten Suite ein. "Er wohnt hier und Carmen nebenan!", denkt sie, schaltet alle Lampen aus und legt sich leicht bekleidet auf das Bett. "Es wird sich morgen alles klären?", grübelt sie und schläft darüber ein. Plötzlich wird sie wach. Sie blinzelt schlaftrunken und stößt einen schrillen Schreckensruf aus. Ein Mann steht im Zimmer. Sie springt schreiend vom Bett und zwängt sich an dem Fremden vorbei.
Nach der Bahnfahrt und der Anspannung der letzten Stunden hat er einen wirren Alptraum. Er erwacht erleichtert: "Nur ein Traum! Ich dachte Yvonne hätte gerufen! Nein.... es ist Wirklichkeit! Das ist ihre Stimme!", mit einem Satz ist er aus dem Bett und reißt die Tür auf.
Sein Bruder der kurz vorher vom Turnier zurück kam steht im Pyjama in der Türöffnung und schaut verblüfft auf Yvonne die sich ängstlich an ihn drückt und abwehrend die Hände nach Pedro ausstreckt.

Yvonne bekommt sofort Hilfe von ihrem Geliebten. Der packt den Angreifer an der Schulter dreht ihn um und stottert: "Der Tote... der Auf.. trags... killer!" In diesem Moment erscheint Carmen. "The old badger game!", entfährt es Carlos unwillkürlich. Jetzt fällt es ihm wie Schuppen von den Augen woher er dieses gerissene Weibsstück kennt. Aber noch wichtiger ist für ihn: "Der Kerl lebt... es ist ihr Kumpan.... nein Ehemann!" Seine Wut und Angst verschwindet und ein befreiender Lachanfall schüttelt ihn. Ein Alptraum ist endlich vorüber, jetzt kann er wieder er selber sein.
Yvonne vergleicht perplex die Männer. Dann wirft sie sich dem Richtigen bebend in die Arme. Sie haucht von ihren Ängsten erlöst: "Zwillinge... Eineiige Zwillinge!" "Das ist mein Bruder Juan der von dieser Frau und ihrem Ehemann um das Vermögen gebracht werden sollte. Meine Konten wollten sie vor Jahren durch das badger Spiel erleichtern. Ich bin aber nicht auf die Erpressung hereingefallen. Ehemann erwischt Prominenten in flagranti mit seiner Frau. Mit dir wollte dieses saubere Paar einen Schritt weiter gehen..... Bigamie!"
Carmen und ihr angeblicher Bruder erschrecken über Carlos Enthüllung. Langsam zieht ein hinterhältiges Grinsen über das listige Gesicht von Pedro. "Die Fans und der KSC werden sich interessieren wer von euch beiden auf dem Rasen war!" Siegessicher drängt sich Carmen an dem verdutzten Juan aus der Tür. Carlos der von Yvonne umschlungen wird lacht laut: "Ich habe immer
gespielt! Juan mein Bruder ist soeben aus Paris angekommen!" Er greift seinen Bruder zieht ihn in seine Suite. "Juan nun kannst du an meinem Stock gehen!", er zeigt lachend auf den Krückstock.

Juan ist verblüfft: "Aber... die anstehenden .... Spiele!" Es gibt kein ...aber! Ich Carlos kann dank Yvonne meinen Vertrag erfüllen. Nicht wahr Yvonne!", die schmiegt sich glücklich nickend wieder in seine Arme. "Und euch gebe ich Zeit bis in der Frühe zu verschwinden! Aber ohne Tricks und ohne Wertsachen die euch nicht gehören sonst hetze ich Interpol auf eure Fersen! Yvonne hole deine Sachen aus Suite, das selbe gilt für dich Juan . Zimmerwechsel!" Bald ist
Ruhe eingekehrt. Das Gaunerpärchen ist in Pedros Suite. Die Brüder und Yvonne haben sich viel zu erzählen. Zur Feier des Tages wird Champagner aus dem Kühlschrank geholt. Sie sitzen so wie sie aus dem Schlaf gerissen wurden mit schäumenden Gläsern beisammen.

Als Juan ansetzt seine Schuld zu bekennen, winkt Carlos sofort ab. "Auf unsere gemeinsame Zukunft!" Während ich die letzten Spiele absolviere wirst du eine Hazienda kaufen. Bruder wir werden nun Farmer und Viehzüchter!" "Ich habe keinerlei Vermögen!", beteuert Juan kleinlaut. "Aber ich und das langt für uns beide. Ich kann dich gut gebrauchen!" Mit einem Aufatmen und Hoffnungsschimmer in den Augen fragt Juan: "Als Verwalter?" Carlos prostet seinem Bruder strahlend zu: "Als gleichwertiger Partner!" "Wie wäre es mit einem Weingut bei Bordeaux?", fragt Yvonne hoffnungsvoll. "Warum nicht in Wein und.... !" Carlos wird unterbrochen durch Lärmen und Poltern auf dem Hotelflur.
Juan eilt zur Tür und tritt in den Gang. "Monsieur Juan!" fragt eine raue Männerstimme. "Qui Monsier" Klatsch Klatsch..... Klatsch. Juan stolpert rückwärts in das Zimmer. Ein Hüne von Mann bückt sich durch den Türrahmen. "Mon frere.... moi Dieu!" ruft Yvonne entsetzt. Der Portier schreit: "Vorsicht, Amokläufer!"

Ich traue meinen Augen nicht. Aus dem Kaiserhof kommt dieser Typ der so große Spalten bei der Boulevard Baden eingeräumt bekommt. "Das Hinkebein aus der Unterführung. Mein Gott wie sieht der aus! Heute mit Krückstock, blauem Veilchen und geschwollenem Gesicht. Das passt zur Handschuhnummer des Riesen der überaus fürsorglich den halbblinden die Treppe herunter führt!" erschrecke ich.
Jetzt brauche ich Gewissheit! Ich frage den Verletzten: "Sind sie Carlos der Fußballstar?" Die Antwort kommt von einem Pärchen das gerade ins Freie tritt: "Nein das ist Zwillingsbruder Juan!" "Der Zeuge! Das ist der Zeuge!" ruft der Fußballstar erfreut und eilt die Stufen herunter. "Der Flüchtling aus der Unterführung!", staune ich. "Ja der bin ich!" Er nimmt mich am Arm und geht mit mir hinter seinem Bruder Juan und dem zukünftigen Schwager her.

Nun höre ich unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit eine unglaubliche Story! "Das ist Stoff für meine Novellen!" rufe ich spontan. "Die darf aber unser Stadionsprecher Martin Wacker nicht lesen! Der könnte auch bei Verwendung von Pseudonamen hinter die wahre Identität von dem Spieler kommen!", meint "Carlos" der immer noch beim KSC in Vertrag steht und ein Nachspiel befürchtet.