Prima Notics

Exklusiv in der Online-AusgabeAutor: Koch, Heidi-Christin

Als der Wecker um halb acht klingelte war Luise Zimmermann schon längst wach. Manch Einer mochte ihre Vorfreude auf den heutigen Tag als morbide empfinden, doch Luise liebte ihren Beruf und das schwindende Interesse an Landesgeschichte und Denkmälern machte sie traurig. Seit sie das letzte Mal eine Führung in der fürstlichen Grabkapelle geleitet hatte waren Monate vergangen und sie fragte sich, ob dies an generellem Desinteresse oder an der Unlust der Lehrer an Exkursionen lag. Wie auch immer, dies würde ein guter Tag werden! Fröhlich trommelte Luise auf die Arbeitsplatte in der Küche, während sie zuschaute, wie der Kaffee durch die Maschine lief. Wenig später saß sie auf ihrer kleinen Terrasse, den duftenden Kaffee und zwei Croissants vor sich und schaute auf ihren kleinen Garten. Schon jetzt war die Sonne angenehm warm und Luise genoss wie immer diese friedlichen Augenblicke am Morgen. Seit der Trennung von ihrem Mann nach fast 30 Jahren Ehe, hatte sie ihre Lebensfreude wieder entdeckt und eine tiefe Ruhe hatte sich in ihr ausgebreitet. Auch wenn ihre Kolleginnen kein Verständnis für sie hatten, sie lebte gern allein und sie schwor sich jeden Morgen, bei ihrem Kaffee, das dies auch so bleiben würde. Nie wieder sollte ein Mann ihr Leben bestimmen. Nie wieder würde sie sich für andere verbiegen und ihre eigenen Interessen und Wünsche zurück stellen.

Wenige Minuten später war Luise schon auf dem Weg in den Fasanengarten, mit dem Rad benötigte sie knapp 10 Minuten.
Als sie bei der Kapelle ankam, die angestrahlt von der Morgensonne, zwischen hohen Bäumen aufragte, blieb sie voll Bewunderung stehen. Egal wie oft sie schon an diesem Ort gewesen war, die Faszination für dieses wunderschöne Bauwerk würde sie nie verlassen. Sie ging um das Gebäude herum zur hinteren Tür, die seit einigen Jahren Besuchern als Eingang diente. In einer halbe Stunde würde die Schulklasse hier sein. Vorher wollte Luise noch ein paar Minuten in der Kapelle allein sein, unter anderem um einen Blick auf ihre Namensgefährtin zu werfen, vor der sie eine große Hochachtung hatte. Wenn wie an diesem Tag die Sonne durch die pastellfarbenen Fenster auf die Denkmäler schien, konnte man meinen, die Betrauerten würden nur schlafen, so wirklichkeitsgetreu waren sie dargestellt.

Trotz der morgendlichen Wärme, schlug Luise aus dem inneren des Grabmahls eisige Kälte entgegen. Sie zog ihre Strickjacke an und betrat den Altarraum, als ihr unvermittelt starker Verwesungsgeruch in die Nase drang. Es war nicht das erste Mal, dass ein unsachgemäss einbalsamierter Leichnam nach Jahren langsam anfing zu verwesen und er aus dem Sarg in die Erde umgebettet werden musste. Noch während Luise über die nun notwenigen Schritte nachdachte, erstarrte sie. Ein schon längst getrocknetes braunes Rinnsal in der Mitte des Raumes, führte ihren Blick weiter auf der Spur zu dessen Ursprung der sich am Marmorsarkophag des großherzoglichen Prinzen befand.
Quer über den in Stein gemeißelten Prinzen lag bäuchlings der Leichnam eines Mannes, Blutbäche hatten sich über den Sarkophag ergossen und stachen anklagend von dem schneeweißen Marmor ab. Luise erschrak vor ihrem eigenen Schrei. Mit der Hand vor dem Mund rannte sie ins Freie und übergab sich.
Kommissar Berger war sichtlich gereizt, er hatte andere Aufgaben als dem mürrischen Lehrer zum dritten Mal zu erklären, dass die Besichtigung ins Wasser fallen müsste. „Aber ihre Leute können doch nicht den ganzen Tag brauchen ... !”
„Ich sag es ihnen zum letzten Mal, das ist ein Tatort und sie verschwinden jetzt mit ihren Schülern bevor die mir hier noch alle möglichen Spuren zertrampeln. Ich gebe ihnen noch fünf Minuten, sonst lasse ich sie von den Kollegen entfernen!"

Mit diesen Worten drehte Berger sich um und ging auf Luise Zimmermann zu, die mit einer Decke um die schmalen Schultern auf einer Bank saß.
„Hier ich habe ihnen einen Kaffee mitgebracht!" „So etwas Schreckliches habe ich noch nie gesehen, was ist da nur passiert?"
„Ich habe leider absolut keine Ahnung, das Einzige was ich mit Gewissheit sagen kann, ist, dass der Mann nicht in der Kapelle angegriffen wurde, sondern in der Gruft. Die Tür stand offen und auf den Stufen ist überall Blut. Ich nehme an, er hat sich nach oben geschleppt."
„Aber warum liegt er auf den Sarkophag?"
„Ich messe dem keine große Bedeutung bei, wahrscheinlich hat er sich einfach abstützen wollen und ist dann zusammengebrochen!"
„Was glauben sie, wie lange er schon da drin liegt?"
„Der Gerichtsmediziner konnte dazu noch nichts sagen, wir werden mehr wissen, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist. Die Leiche wird demnächst abtransportiert und ich bin hier vorerst fertig. Könnten sie mich aufs Revier begleiten, damit wir ihre Aussage aufnehmen können oder möchten sie sicher erstmal ausruhen?"
„Nein, am liebsten will ich es gleich hinter mich bringen!"
Einen Tag später versammelten sich Johannes Berger und sein Team im Konferenzraum. Auf einer großen Tafel notierte Berger alle bisherigen
Anhaltspunkte.
„Was wir bis jetzt wissen, ist nicht gerade viel, wir müssen alle höchste Konzentration aufbringen, um in diesem Fall weiter zu kommen. Stellt euch schon mal auf Oberstunden ein!"
In der Mitte der Tafel klebte ein Bild vom Tatort von welchem aus Kommissar Berger Pfeile in verschiedene Richtungen malte.
„Wir haben also eine männliche Leiche, zwischen 50 und 55 Jahre alt, Tod durch mehrere Stichwunden in Brust- und Halsbereich, Tatwaffe wurde nicht gefunden, war aber laut Gerichtsmedizin kein handelsübliches Messer! Zeitpunkt des Todes ungefähr vor 2 Monaten. Anne und Martin, ihr durchsucht die Akten nach Vermissten in den letzten drei Monaten, wir müssen so schnell wie möglich wissen, wer der Tote ist! Wolfgang und Christoph bezieht Posten im Fasanengarten, vielleicht kehrt der Täter zurück, es wird ihn nervös machen, dass man die Leiche jetzt gefunden hat. Vielleicht fällt euch Irgendjemand auf! Heute Mittag um drei treffen wir uns wieder hier!"
Als das Telefon klingelte schreckte Luise Zimmermann zusammen, seit gestern riefen ständig Reporter an und wollte ein Interview von ihr. Als sie schließlich den Hörer abnahm meldet sich der junge Kommissar Berger.
„Zum Glück sind sie es!"
„Das höre ich selten, wenn ich irgendwo anrufe!" „Seit gestern Mittag rufen hier ständig Reporter an, ich glaube ich werde mein Telefon ausstöpseln!" „Es tut mir leid, dass sie solche Unannehmlichkeiten haben, von uns wissen die ihren Namen nicht, so was verbreitet sich leider sehr schnell und diese Reporter sind wie Aasgeier!" „Was kann ich denn für sie tun?"

Eigentlich wollte ich nur nachfragen, ob ihnen vielleicht noch jemand eingefallen ist, der einen Schlüssel zur Kapelle besitzen könnte?”
„Nein leider nicht, ich habe die ganze Nacht darüber nachgedacht, schlafen konnte ich sowieso nicht. Aber außer mir, hat nur noch die Außenstelle vom Landesdenkmalamt einen Ersatzschlüssel! Wissen sie denn schon, wer der Tote ist?" „Nein, meine Kollegen gehen gerade die Vermissteneinzeigen durch, aber bisher tappen wir noch im Dunkeln!"
„Ich hoffe, dass sie diesen Verrücken bald finden!" „Ja, das hoffe ich auch!"
Berger legte auf und schaute sich noch einmal die Photos vom Tatort an. Was um alles in der Welt hatte dieser Mann in der Gruft gemacht? Mit wem trifft man sich in einer Gruft und warum? „Johannes! Ich glaube wir haben ihn gefunden!" Anne war ohne zu klopfen in Bergers Büro gestürmt und wedelte mit einem Blatt Papier in der Luft herum. „Dieter Krempp, seit dem 27.04. vermisst, Vermisstenanzeige wurde von seiner Firma aufgegeben."
„Keine Familie?"
„Er ist geschieden, hat einen Sohn."
„Gut dann fährst du in seine Firma, ich zu seiner Ex-Frau und Martin soll sich die Wohnung von Herrn Krempp anschauen!"

Anne war zehn Minuten später vor Ort und wurde ins Büro von Krempps Chef geführt.
„Sie haben Dieter endlich gefunden?"
„Ja das kann man so sagen, eigentlich war es mehr ein Zufall! Können sie mir irgendwelche Hinweise geben, haben sie eine Ahnung was er in dieser Kapelle gesucht hat?"
„Nein, Dieter war ein sehr schweigsamer Mensch und nach dem verschwinden seines Sohnes ist das noch schlimmer geworden."
Sein Sohn ist auch verschwunden?”
„Ja!"
„Wann war das?"
„Das ist ungefähr zwei oder drei Jahre her, ich kenne auch die genauen Umstände nicht. Wie gesagt, Dieter war sehr verschwiegen!"
„Frau Kreme?"
„Ja?"
„Berger mein Name, ich bin von der Kriminalpolizei!"
Leonore Krempe wurde blass, mit einer langsamen Handbewegung bat sie Berger in ihre Wohnung und setze sich mit ihm ins Wohnzimmer.
„Haben sie meinen Sohn gefunden?"
„Ihren Sohn?"
Verwirrt blicke die Frau ihn an.
„Weswegen sind sie sonst hier?"
„Wegen ihrem Ex-Mann!"
„Oh mein Gott, hat er jemanden getötet?"
Berger stutze immer mehr.
„Nein, wie kommen sie darauf, wen sollte ihr Mann den umbringen und was ist mit ihrem Sohn?" „Unser Sohn ist vor zweieinhalb Jahren plötzlich verschwunden. Er war auf einer Studentenfeier und ist nicht mehr nach Hause gekommen. Die Polizei konnte bisher nicht herausfinden was mit ihm passiert ist, wir haben weder ein Lebenszeichen von ihm bekommen, noch ist er gefunden worden." „Das tut mir sehr leid, davon wusste ich nichts!" „Schon gut, ich glaube sowieso nicht mehr daran, ihn je lebend wieder zu sehen!"
„Und ihr Mann?"
„Dieter war überzeugt davon, dass Stefan ermordet worden ist. Seine gesamte Freizeit hat er damit verbracht herauszufinden was mit Stefan geschehen ist. Mit wem er befreundet war, wer seine Kommilitonen waren. Wer auf dieser Party war. Er ist nur noch zum schlafen nach Hause gekommen. Ich hab das nicht mehr ausgehalten und wir haben uns getrennt."
„Gab es denn irgendwelche Verdächtigen beim Verschwinden ihres Sohnes?"
„Mario Zimmer, sein bester Freund, er wurde tagelang in Untersuchungshaft gehalten und man versuchte ihm zu einem Geständnis zu zwingen!" „Wieso?"
„Ich habe keine Ahnung, uns wurde wenig über die Ermittlungen gesagt, deshalb war mein Mann auch so versessen darauf, selbst zu recherchieren." „Ich werde mir die Akten kommen lassen. Und wenn sie Fragen haben, können sie sich jederzeit an mich wenden!"
„Was ist jetzt mit Dieter?"
„Es tut mir leid Frau Krempp, ihr Mann ist tot!" Leonore Krempp schlug die Hände vors Gesicht. „Wir haben uns nicht mehr verstanden, aber das bedeutet nicht, dass ich ihn nicht mehr geliebt habe!"
„Ich weiß!"
„Woher wollen sie dass denn wissen?"
„Meine Eltern
Leonore Krempp sah ihn aus geröteten Augen an. „Wissen sie denn wer?"
„Nein, bisher haben wir noch keine Spur. Wann haben sie ihren Mann denn zuletzt gesehen?"
„Das ist über ein viertel Jahr her. Wir haben uns sehr gestritten an dem Tag und ich war zu gekränkt mich bei ihm zu melden. Wann ist es denn passiert?" „Es muss in den letzten Apriltagen gewesen sein." „Oh mein Gott..."
„Soll ich jemanden für sie anrufen?"
„Nein, nein, ich möchte erstmal allein sein." „Es tut mir sehr leid, Frau Krempp!"
Auf dem Weg zum Auto telefonierte Berger mit seinen Kollegen und gab Anweisungen die Akte von Stefan Krempp heraus zu suchen und Mario Zimmer aufs Revier zu bringen. Als Berger das Revier betrat, wurde Mario Zimmer schon in den Verhörraum gebracht.
„Das ging aber schnell!"
„Er war leicht zu finden: arbeitslos und hängt daheim vorm Computer rum!"
Berger fand sich einem blassen jungen Mann gegenüber, dessen schwarzen Haare und die dunkle Kleidung die ungesunde Hautfarbe noch stärker betonten. Er hatte dunkle Ringe unter den Augen und schaute Berger mit blankem Hass entgegen.
„Ich habe die Schnauze von Euch Drecksbullen gehörig voll! Wann gebt ihr Arschlöcher endlich Ruhe?"
„Hey, nun mal sachte! Ich hatte noch keine Zeit mir die Akte von Stefan Krempe anzusehen. Ich will erstmal nur wissen, was damals passiert ist und warum sie verdächtigt wurden!"
Mario entspannte sich etwas, wobei sein Misstrauen blieb.
„Witzig! Warum wurde ich wohl verdächtigt? Weil ich nicht in Euer feines Stadtbild passe, weil ich etwas anders bin als andere!"
Berger schaute auf die schweren Stiefel und den gewöhnungsbedürftigen Schmuck des Jungen, der eher an Hundehalsbänder und Fahrradketten erinnerte. „Nun, mag sein, dass sie zu einer recht extravaganten Szene gehören, aber das allein macht Jemanden noch nicht zum Verdächtigen! Ist irgendwas zwischen Ihnen und Stefan vorgefallen?"
Mario verdrehte die Augen.
„Wie ich sagte Mario, mit ihnen zu reden ist für mich effektiver als die Akten zu wälzen. Also helfen Sie mir bitte, dann können sie auch gleich wieder gehen!"
„Stefan und ich hatten Streit, ja, aber er war mein bester Freund und nur weil ich ein Gotte bin, bringe ich keine Leute um, schon gar nicht meine Freunde!" Gottes sind gegen Gewalt und keine Sado-Maso Teufelsanbeter wie ihre Kollegen mir unterstellen wollten!"
„War Stefan auch ein Goth?"
„Wenn sie meinen ob er sich so gekleidet hat; nein!"
„Aber?"
„Er war ein friedlicher, toleranter und guter Mensch!"
Mario stand die Trauer um seinen Freund deutlich ins Gesicht geschrieben, Berger verstand die Verdächtigungen gegen ihn nicht.
„Warum fragen sie mich das alles? Gibt es denn etwas Neues?"
„Nicht direkt zu Stefan, nein."
„Würde mich auch wundern, diese Schweine sind zu schlau!"
„Wen meinen Sie?"
„Diese Typen von der Studentenverbindung! Ich habe ihm gesagt, dass mit denen was nicht stimmt, er wollte nicht auf mich hören! Deswegen hatten wir auch Streit. Er meinte ich sehe wieder mal überall das schlechte und die Leute dort wären total nett und freundlich und so!"
„Welche Studentenverbindung ist das?"
„Prima Noctis nennen die sich, das ist ja kaum auffällig!"
„Was glauben sie was mit denen nicht stimmt?" „Leider vermischen sich die Szenen oft, gerade Teenies die auf der Suche sind, geraten an die falschen Leute. Ich habe von ein paar Freunden Geschichten über diese Verbindung gehört und ich bin mir sicher, dass das Satanisten sind! Aber ihre Kollegen hat das, wie gesagt, einen Scheiss interessiert! Das sind alles Jungs aus reichem Elternhaus, sauber gekleidet, von den besten Privatschulen, können sich gewählt ausdrücken. Denen traut man so was nicht zu!"
„Und Stefan war mit diesem Leuten befreundet?" „Er hatte vor, dieser Verbindung beizutreten!" „Können Sie mir Namen nennen?”
„Nein, aber die haben eine Internetseite, da kriegen sie bestimmt Informationen!"
„Haben sie je versucht, dort nach ihrem Freund zu fragen?"
„Nein, Stefans Verschwinden ist schrecklich für mich, aber ich hänge noch zu sehr am Leben um mich mit denen einzulassen!"
„Wissen sie etwas über Stefans Vater?"
Mario erschrak.
„Wieso? Ist ihm was passiert?"
„Schon möglich!"
Der Junge schluckte und kämpfte mit den Tränen. „Herr Krempp war besessen davon, Stefans Mörder zu finden und rauszukriegen was sie mit ihm gemacht haben! Ich habe ihn mehrmals gewarnt, dass das kein gutes Ende nimmt. Aber er hat weiter gemacht! Er hat diese Leute beobachtet, alles über sie notiert!"

Berger stürmte in den Besprechungsraum und fing sofort an zu sprechen:
„Martin habt ihr noch was in der Wohnung gefunden?" „Allerdings, obwohl schon jemand vor uns gesucht hat! Krempp hatte eine dicke, gut versteckte Akte über diese Studentenverbindung angelegt, alle Mitglieder sind hier aufgelistet, Hintergrundinfos über Satanismus, mögliche Ritualstellen,
Treffpunkte und Zeiten, besonders interessant ist eine Plan von dem unterirdischen Tunnelsystem das angeblich unter der Stadt existiert! Damit wäre klar, wie sie in die Kapelle kamen ohne einen Schlüssel zu besitzen! Wenn die Berechnungen stimmen, ist das nächste Treffen der Gruppe übermorgen Nacht!"
„Das bedeutet wir werden uns an jedem möglichen Treffpunkt einfinden und sie auf frischer Tat schnappen! Dann haben wir genug in der Hand um sie zu verhaften!" „Aber keine Leiche!”
„Sobald wir sie haben, werden wir den Fasanengarten und alle anderen Ritualstellen abriegeln und umgraben! Stefan Krempe ist nicht der einzige Student der in den letzten Jahren hier verschwunden ist
„Chef, ich glaube, ich hab den Grund gefunden warum bei den früheren Ermittlungen nichts gegen die Gruppe unternommen wurde! Schau dir mal die Mitgliederliste an."
„Matthias Ackermann! Das ist ja unglaublich, der Sohn des leitenden Ermittlers von damals!"
„Und das ist nicht alles! Der Großvater von Kommissar Ackermann ist der Mitgründer dieser Vereinigung!\'
„Du lieber Himmel, das sind größere Auswirkungen als ich je gedacht hätte! Ich glaube, mit der Verurteilung von ein paar Studenten ist unsere Arbeit noch lange nicht getan!"
„Sag mal zitterst du?"
„Ist das ein Wunder? Ich finde das hier alles ziemlich unheimlich!"
Anne und Christoph standen zwischen den Bäumen im Fasenengarten und blickten auf die Hintertür der Grabkapelle.
„Oh mein Gott, da tut sich was!"
Durch die kleinen, runden Fenster die in der Krypta eingelassen waren flackerte Licht.
„Berger bitte kommen! Sie sind hier, in der Gruft!" „Verstanden!\'
Johannes hatte sich mit zwei weiteren Kollegen im Obergeschoss der Kapelle versteckt, in der Gruft wurde gerade ein unheimlicher Singsang angestimmt. Schritte waren auf der Steintreppe zu hören, kurz darauf öffnete sich die Tür zu Gruft. Maskiere, in Umhänge gekleidete Gestalten traten heraus, positionierten Fackeln an zwei Seiten des Altars und entzündeten schwarze Kerzen. Das Singen und
Murmeln wurde lauter und die Vermummten bildeten einen Kreis um den Altar. Zuletzt traten aus der Gruft drei in rote Gewänder gekleideten Gestalten. Eine ging langsam voran, während die zwei Nächsten in ihrer Mitte einen gefesselten und geknebelten Jungen mitschleiften. Der Junge wehrte sich nicht, stand offenbar unter dem Einfluss von Drogen. Als die Verkleideten ihn auf den Altar legten, musste Berger sich in seinem Versteck beherrschen nicht laut aufzuschreien. Wen er da vor sich sah, war Mario Zimmer!

Die Gesänge hatten ihren Höhepunkt erreicht und die drei Anführer der Gruppe stellten sich um den Altar. Einer holte aus seinem Gewand eine Art Ritualdolch hervor und lies ihn im Kerzenlicht funkeln.
„JETZT!!" schrie Kommissar Berger in sein Funkgerät und im nächsten Moment brach das SEK durch die Türen und versperrte sämtliche Ausgänge. Einer der Anführer versuchte mit den Fackeln Feuer in der Kapelle zu legen, doch auch dies hatten die Beamten schnell im Griff.
Anne Ludwig kümmerte sich um den taumelnden Mario Zimmer und brachte ihn in Sicherheit.

Drei Tage später hatte einer der Verbindungsbrüder gestanden. Stefan Krempps sterbliche Überreste wurden zusammen mit zwölf anderen Leichen aus dem Hardtwald geborgen. Die Gräber waren kreisrund angeordnet und Kommissar Berger wusste mittlerweile, dass es noch mehr dieser Kreise an mystischen Orten in Baden-Württemberg gab. Der Fall war abgeschlossen, doch hatte er ein Netzwerk von Verbrechen aufgedeckt, welches Berger und sein Team noch monatelang beschäftigen würde.